Der hubbel

„Ich habe in der Main Post gelesen, dass die erste Hubland-eigene KiTa 2022 eröffnet!“ – „Oh, das habe ich gar nicht mitbekommen! Oft bekomme ich wichtige Infos nur zufällig von meinen Nachbarn mit, dabei ist es mir doch wichtig über das Geschehen in meinem Stadtteil auf dem Laufenden zu sein!“

 

Am Hubland gibt es bereits viele Anwohner:innen, die engagiert sind,  sich und ihre Nachbar:innen über Planungen, Fortschritte und Neuigkeiten am Hubland zu informieren. Um dieses Engagement und den Austausch am Hubland zu unterstützen und die  Stadt zu entlasten, entsteht mit dem hubbel eine Möglichkeit, Wissen über aktuelle Prozesse am Hubland kollaborativ zu sammeln und strukturiert zu verbreiten, sodass ein einheitlicher Informationsstand entsteht, der für alle Anwohner:innen zugänglich ist. Hubbel ist daher kein Ersatz bestehender Beteiligungsformate, sondern eine langfristige Ergänzung, die Voraussetzungen für gute Partizipation im Stadtteil.

Hubbel wird seit Mitte 2020 ausgehend von der Analyse des Kontexts (Maas et al., 2021), über Konzeptentwürfe bis zum aktuellen Bau des Prototypen partizipativ mit Anwohner*innen des Hublands mit den Methoden des Contextual Designs (Holtzblatt & Beyer, 2016) und Participatory Designs (Simonsen, 2013) entwickelt.

Konzept

Durch hubbel können Anwohner:innen durch crowdsourcing niederschwellig Informationen, Fragen und Antworten zu aktuellen Geschehnissen am Hubland mit ihren Nachbar:innen austauschen. Um die Beteiligung einfach in den Alltag von möglichst vielen verschiedenen Anwohner:innen zu integrieren, gibt es drei Zugänge, über die hubbel genutzt werden kann: 1) einen “hybriden hubbel” am Hubland, 2) eine Webseite, 3) eine mobile Version. Über alle drei Zugangspunkte ist das digitale System zum Austausch von Beiträgen zugänglich, das heißt, Beiträge in Form von (digitalen) Postkarten können gelesen und neue Postkarten zu hublandspezifischen Themen zugeordnet werden.

Der hybride hubbel wurde gemeinsam mit Anwohner:innen des Hublands gestaltet und erinnert an einen Briefkasten, der um ein digitales Display erweitert wurde. Er steht öffentlich zugänglich an einem zentralen Ort am Hubland. So können Menschen am Hubland mithilfe des hybriden hubbels spontan und ohne eigene Endgeräte Informationen oder Fragen veröffentlichen, indem sie handgeschriebene Postkarten einwerfen, welche automatisch digitalisiert und in das digitale System des hubbel eingeschleust werden. So können die Beiträge auch von anderen Anwohner:innen am hubbel oder über die digitalen Zugänge gelesen und beantwortet werden. Zudem soll der hybride hubbel durch seine physische Präsenz die Aufmerksamkeit für die Beteiligungsmöglichkeit erhöhen und einen physischen Ort zum Austausch unter den Nachbar:innen bieten. Der hybride hubbel ist modular konzipiert, sodass er beispielweise um ein Dach oder einen seitlichen Bücherschrank erweitert und den Bedürfnissen der Anwohner:innen weiter angepasst werden kann.

Beiträge können zudem digital über eine Webseite von jedem Computer oder an mobilen Endgeräten verfasst und gelesen werden, sodass Anwohner:innen sich auch beteiligen können ohne zum hybriden hubbel zu gehen zu müssen. Außerdem ist es möglich, einzelne Beiträge mittels eines QR-Codes vor Ort vom hybriden hubbel auf das eigene Smartphone zu übertragen und dort weiter zu lesen oder zu teilen. 

Durch die digitalen und analogen Zugänge verbindet das Konzept mehrere Generationen und Nutzungskontexte miteinander. Für alle drei Zugänge gilt: Die einzelnen Frage- und Informationsbeiträge werden in verschiedene Themen kategorisiert und innerhalb dieser Themen chronologisch angezeigt. Außerdem wird es in jedem Thema neben den entsprechenden Beiträgen auch Hintergrundinformationen zum Thema gegeben, die von einer Redaktion zusammengestellt werden.

Diese Redaktion, bestehend aus engagierten Bürger:innen des Hublands und/oder dem/der zukünftigen Quartiersmanager:in, überprüft außerdem die Inhalte der Postkarten auf Hassrede und – soweit möglich – inhaltliche Korrektheit und legt neue Themen an. Denkbar ist zudem, dass die Redaktion gezielt nach neuen Informationen für das Hubland Ausschau hält und dafür beispielsweise regelmäßig Stadtratsbeschlüsse und die Lokalpresse sichtet und interessante Informationen in den hubbel einspeist.

Zusätzlich sind digitale und analoge Zusammenfassungen der hubbel-Beiträge denkbar. Diese könnten beispielsweise quartalsweise als Newsletter oder ausgedruckt als “Hublandblättle” verschickt werden.

Vom hubbel profitieren gleich mehrere Akteure. Neu Zugezogene können durch den hubbel herausfinden, was in ihrem Stadtteil bereits passiert ist und sich direkt bei für sie relevanten Themen einbringen, während die “alten Hasen” die Möglichkeit haben, Informationen strukturiert weiterzugeben und Anerkennung für eine Verbreitung wichtiger Informationen zu bekommen. Durch den regelmäßigen Nachbarschaftstreff “HublandTreff” stehen am Hubland bereits jetzt Anwohner:innen im engen Kontakt mit Vertreter:innen der Stadt. Mit dem hubbel entsteht eine gemeinsame Diskussionsgrundlage, um gezielt Lösungen für stadtteilspezifische Probleme (z. B. Verkehr) zu finden. Vor allem durch den hybriden Aspekt des hubbels kann er zu einem neuen Treffpunkt und einem Ort des Austauschs im Stadtteil werden und dabei auch Menschen ohne digitales Endgerät oder mit wenig Technikerfahrung eine gleichberechtigte Teilhabe ermöglichen.

Für die Stadt besteht keine Verpflichtung den hubbel zu nutzen, allerdings kann auch diese von ihm profitieren, weil mit hubbel eine Möglichkeit entsteht, schnell festzustellen, welche Themen die Anwohner:innen besonders interessieren und wo der Schuh drückt und gegebenenfalls schnell zu reagieren. Darüber hinaus hat die Stadt natürlich auch selbst die Möglichkeit, Informationen über den hubbel an die Anwohner:innen zu kommunizieren. Dadurch können auch Irrtümer oder Gerüchte direkt beantwortet und aufgeklärt werden.

Abgrenzung und Schnittstellen zu anderen Tools

Aktuell beziehen Anwohner:innen am Hubland ihre Informationen über Entwicklungen am Hubland online unter anderem über das soziale Nachbarschaftsnetzwerk nebenan.de, die Vermarktungsseite der Stadt Würzburg (www.wuerzburg-hubland.de) sowie über Newsletter wie z.B. den des Immobilienmanagements des Stadt Würzburg. Diese Quellen haben jedoch den Nachteil, dass sie jeweils nur einen Teil der Anwohnerschaft erreichen und nur einen Teil der stadtteilspezifischen Themen abdecken und diese nicht chronologisch nachverfolgt werden können. Zudem werden sie nicht von der Bürgerschaft selbst verwaltet, was einen hohen Betreuungsaufwand für die Stadt, eingeschränkte Datenhoheit (z.B. bei nebenan.de) beziehungsweise eine Abhängigkeit der Bürger:innen von der Stadt (z.B. wuerzburg-mitmachen.de) bedeutet.

Im Gegensatz zu bestehenden Plattformen wie nebenan.de und wuerzburg-mitmachen.de, legt hubbel den Fokus zudem auf die strukturierte Informationssammlung statt auf Meinungsaustausch und Diskussion, da die Anwohner:innen sich gewünscht hatten, dass solche Diskussionen informiert und analog (z.B. im Rahmen des HublandTreffs) stattfinden. Denkbar ist jedoch langfristig eine Verknüpfung mit wuerzburg-mitmachen.de, sodass Bürger:innen sich gegenseitig durch den hubbel über Projekte informieren, und sie anschließend auf wuerzburg-mitmachen.de darüber diskutieren.

Im Unterschied zu bisherigen (rein digitalen) Beteiligungsmöglichkeiten liegt der Vorteil des hubbels darin, dass er interaktiv und durch seine analoge und digitale Komponente inklusiv ist. Zudem ist er greifbar: er steht für alle Bürger:innen sichtbar am Hubland, sodass diese in ihrem Alltag über ihn “stolpern” und so auf Themen am Hubland aufmerksam werden. Außerdem wird das innovative Konzept des hybriden hubbels auch die Neugier von Anwohner:innen wecken, die eine einfache Webseite vielleicht sonst nicht besuchen würden.

Aktueller Stand und Ausblick

Im September 2021 fertigten wir in Zusammenarbeit mit engagierten Bürger:innen des Hublands einen ersten testfähigen Prototypen des (hybriden) hubbels aus Pappe an und testeten ihn mit Anwohner:innen am Hubland. Auf Basis der positiven Rückmeldungen setzen wir den Prototypen nun in weiteren Iterationen um und möchten den hubbel dann über einen längeren Zeitraum am Hubland testen. Parallel arbeiten wir am Aufbau einer Redaktion, die den hubbel langfristig betreut.

Am 16.08.2022 wird der hubbel zum ersten Mal für längere Zeit auf dem Hublandplatz aufgestellt und kann für 1,5 Monate getestet werden! Auf dieser Seite sind alle Informationen über unseren kommenden live-Test des hubbels aufgelistet und es wird erklärt, wie ihr an dem Test teilnehmen könnt. Der gesamte Test findet im Rahmen der Studie „Evaluation des hubbels“ statt, organisiert vom Lehrstuhl für Psychologische Ergonomie der Universität Würzburg.

Wirft man einen Blick in die Zukunft, wird der hubbel nach der Fertigstellung am Hubland aufgestellt und hoffentlich von vielen Bürger:innen zum Informationsaustausch genutzt. Wenn sich das Konzept von hubbel am Hubland bewährt, ist es denkbar, ihn auch in anderen Stadtteilen Würzburgs oder in anderen Städten einzusetzen, um ihnen den Informationsaustausch über aktuelle, stadtteilspezifische Themen zu erleichtern.

Literatur

Holtzblatt, K. & Beyer, H. (2016). Contextual Design: Design for Life (Interactive Technologies) (2. Aufl.). Morgan Kaufmann.

Maas, F., Wolf, S., Hohm, A. & Hurtienne, J. (2021). Citizen Needs – To Be Considered: Requirements for Local Civic Participation Tools. i-com, 20(2), 141-159. https://doi.org/10.1515/icom-2021-0013

Simonsen, J. (2013). Routledge International Handbook of Participatory Design. Routledge.